Der Generalinternist für alles – ein bizarres Rückzugsgefecht der DGIM

Der Patient mit Nierenkolik, der am rupturierten Aortenaneurysma stirbt. Die Patientin mit Halsschmerzen, die auf dem Weg in die HNO-Klinik wegen einem die Atemwege verlegenden Halsweichteilabszesses reanimiert werden muss. Die Patientin mit „Gastroenteritis“, deren Gallenblasenentzündung dann durchbricht. Der Betrunkene mit Hirnblutung. Die Synkopierte, die mit einer unerkannten Schenkelhalsfraktur ins Heim zurückgeschickt wird. Der internistische Blick bleibt oft zu eng. Vor allem derjenige des überforderten und schlecht angeleiteten – von wem auch – 6-Monats-Rotationsassistenten, der mancherorts noch das Rückgrat der klinischen Notfallversorgung darstellt.

Die Ärztin, die alles kann und alles weiß. Die hätten wir in der Notfallversorgung gerne. Der klinische Notfallmediziner, der mit den Untiefen der Hirntoddiagnostik ebenso vertraut ist, wie mit der extrakorporalen Therapie des katastrophalen Antiphospholipid-Syndroms und der den Ferritinspiegel für die Beurteilung des Makrophagenaktivierungssyndroms heranzuziehen weiß, auch wenn sein Labor ihm diesen Parameter in der Zeit, die er den Patienten in seiner Obhut hat, gar nicht liefern kann. So will es jedenfalls das gewichtige Curriculum, das die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin den Adepten der klinischen Akut- und Notfallmedizin vorschlägt. Allerdings sollte dieser Spezialist der Entspezialisierung auch nicht nur „in Seldingertechnik“ (ibidem) eine Thoraxdrainage legen können und er sollte nicht überfordert sein, wenn bei dem synkopierten Herrn noch eine Platzwunde zu nähen oder die HWS-Fraktur der richtigen Therapie zuzuführen ist. „Nur eine breite internistische Weiterbildung ermöglicht eine qualifizierte Akut- und Notfallmedizin“ behauptet die DGIM im Gegensatz zu den internationalen Erfahrungen. Der Zusatzweitergebildete Internist gewährleiste die bessere Notfallversorgung. Einen generalistisch ausgebildeten Facharzt für Notfallmedizin lehnt die DGIM ab.

Selbst Internist, weiß ich doch zu gut um die narzisstische Kränkung, die zu verarbeiten ist, wenn man als erfahrener internistischer Notfallversorger versuchen möchte, einer multimorbiden und auch akut in unterschiedlichen Fachrichtungen gepeinigten Patientin gerecht zu werden. Hybris ablegen. Lernen. Üben. Und erlernten Ballast vergessen.

Ist der akute Bauchschmerz internistisch? Chirurgisch? Gynäkologisch? Urologisch? Auf dem Patienten steht es nicht drauf, und damit wird der ganze Text, mit dem sich die schlecht beratene Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin gegen den internationalen Standard eines Facharztes für Klinische Notfall und Akutmedizin stemmen möchte, hinfällig. Ihre eigenen Argumente passen nicht zur These. Und zu den Ausbildungswünschen und Erfordernissen junger Kolleginnen, die wir dringend brauchen, auch nicht. Sie verkennt überdies, dass mittlerweile der größere Teil der klinischen Notfallpatientinnen – auch und gerade der multimorbiden – innerhalb weniger Stunden ambulant versorgt wieder entlassen sind. Da ist der angeforderte internistische Konsiliarius (im 2. Weiterbildungsjahr, es ist gerade 16:00) noch mit Nadellegen auf Station beschäftigt. Es geht auch ohne ihn.

Die DGIM hier: Weltfremd und vorgestrig.

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